Industrie und Landwirtschaft
Wir brauchen Klarheit über unsere Produktionsgrundlagen!
Vor 200 Jahren wurden in der Schweiz mittels kulturtechnischer und wasserbaulicher Projekte wesentliche Landflächen für die Ernährungsproduktion hergerichtet und verbessert. Die SVIL, welche 1918 gegründet wurde, hatte im sogenannten "Mehranbau" unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg ausgedehnte, überall in der Schweiz sogenannte Industriepflanzwerke betrieben. Weil die berufsbäuerliche Landwirtschaft durch den freien Import der Lebensmittel im 19. Jahrhunderts stark geschwächt war, fehlten Produktionsmittel und auch Know-how, um die inländische Produktion so zu steigern, dass der 1918 ausbleibende Lebensmittelimport ersetzt werden konnte. Die Industriebetriebe der Schweiz wurden deshalb per Gesetz verpflichtet, mit eigenen Mitteln (Belegschaft und Finanzmittel) selbst Landwirtschaft zu betreiben. Die SVIL, "Schweizerische Vereinigung für Innenkolonisation und industrielle Landwirtschaft" hatte die Aufgabe, diesen "Mehranbau" für die Industriebetriebe zu organisieren. Die SVIL erkannte die Bedeutung der Innenkolonisation im Gegensatz zur externen Kolonisation anderer Staaten. Durch die 'innere Kolonisation' wurden massgebliche Landwirtschaftsflächen als Grundlage für die eigene Industrieentwicklung der Schweiz erst geschaffen. Sie für den "Mehranbau" durch die Schweizer Industrien zu nutzen, bedeutete auch ein Wiederanknüpfen an dieser Pionierzeit der inneren Kolonisation im 19. Jahrhundert. Der Druck zur Auswanderung konnte damals wesentlich gelindert werden. Es zeigte sich deutlich, dass die Stärkung und Erweiterung der Landwirtschaft die Voraussetzung der Industrie- und Wohlstandsentwicklung schuf. Heute, wo das Nachdenken über einen nachhaltigen volkswirtschaftlichen Aufbau kaum mehr versucht wird und schnelle Preisvergleiche alleine zählen, wird die Erhaltung der konsumentennahen Landwirtschaft vernachlässigt zu Gunsten von mehr Wachstum, der Überbauung des Landes und des zunehmenden Importes der Nahrungsmittel. Dies geschieht zur Zeit ungeachtet des damit verbundenen Ressourcenverschleisses und trotz der bislang ungelösten Frage der Nachhaltigkeit und der Versorgungssicherheit. Auch im Energiebereich trifft diese Feststellung zu: alle Länder wollen billige Energie importieren, fragt sich nur woher?
Das wirtschaftliche Wachstum ist heute fast nur noch eine Funktion von Bautätigkeit und Bevölkerungszuwachs durch Zuwanderung. Gleichzeitig verlieren wir unsere Produktionsgrundlagen in Landwirtschaft und Industrie. Auch die Energieproduktion stagniert. Das heisst, die Kapitaleigentümer verlagern die Produktion und das Know-how in rückständige Länder mit folglich bedeutend tieferen Kosten. Damit dieser Prozess uns nicht auf Kosten der Umwelt und unserer wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit völlig entgleitet, braucht es Reformen, die ein Aufbaukonzept der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung vorlegen. Nur dem Publikum die Risiken zu hinterlassen ist nicht mehr zielführend. Wir können nicht vom Herumschieben des Geldes leben.
Auf der Ebene der reinen Preisvergleiche und der "Selbstheilungskräfte" des Marktes wird die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen wie die Finanzkrise, der ungebremst anhaltende Bodenverbrauch sowie die Umweltzerstörung zeigen nicht zu haben sein. Deshalb setzt sich die SVIL gemäss ihren Statuten ein für die Erhaltung des Bodens als unsere erneuerbare Lebensgrundlage. Werden Sie Mitglied und unterstützen Sie die SVIL!
HB
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